Ein Artikel von Mark Demeuleneere ON4WW „Operating Practice“
übersetzt von Tomek SP5XO

​Hat jemand von uns den Führerschein bekommen, nachdem er kaum mehr als die Theorieprüfung bestanden hatte? Niemand! In Belgien wurde nie vermittelt, wie man Funkverbindungen führt. Nach der theoretischen Prüfung war der frischgebackene Funkamateur auf sich allein gestellt. Es war nicht immer angenehm, zu hören, wie er sich auf den Bändern zurechtfand. Bleiben wir bei der Analogie zum Führerschein: Stell dir vor, du bestehst die Theorieprüfung, bekommst den Führerschein und fährst bereits los – in einem Fahrzeug, in dem du zum ersten Mal sitzt.
Genau so stellt sich die Situation für neue Hams dar.

Wie jeder junge Operator machte auch der Autor in den ersten Jahren zahlreiche Fehler. Er macht sie immer noch, aber deutlich weniger. In diesem Artikel möchte er jungen Einsteigern und erfahrenen Operatoren einige Hinweise geben, wie sie schnell Fortschritte machen und auf den Bändern wie ein „Profi“ klingen können. Häufige Fehler entstanden durch das Nachahmen nicht gerade vorbildlicher Praktiken älterer Kollegen. Man sollte sie jedoch nicht verurteilen – einen klaren Verhaltenskodex für die Amateurfunkbänder gab es nie.

Wir sollten die Bedeutung korrekter Betriebspraxis nicht unterschätzen. Schließlich kann alles, was wir senden, von jedem empfangen werden – von anderen Funkamateuren, SWLs und verschiedenen Diensten. Der technische Aspekt ist nur ein Teil unseres Hobbys. Wenn wir diese technischen Mittel nutzen, um Funkkontakte herzustellen, betreten wir den zweiten Bereich dieses Hobbys: Wir repräsentieren uns selbst und unser Land im Äther – wir werden wahrgenommen.

Um erfolgreiche Funkverbindungen herzustellen, müssen wir lernen, einige einfache Regeln einzuhalten. Ich lade euch ein, gemeinsam die Regeln der Betriebspraxis kennenzulernen.
  • Amateurfunk-Slang
    Lerne den Amateurfunk-Slang kennen. Mache dich mit der korrekten Terminologie vertraut. Sage nicht „Radio vier“, sondern „Lesbarkeit vier“. Übe das Buchstabieren, vervollkommne die im Telegraphiebetrieb verwendeten Abkürzungen und den Q-Code, damit sie zu deiner zweiten Sprache werden, BEVOR du auf den Bändern aktiv wirst. Verwende die Buchstabiertafel immer korrekt. Buchstabiere Alfa, nicht Alabama. Wir kommen in Kapitel 8 auf dieses Thema zurück.
  • Hör zu!
    Als frischgebackener Funkamateur möchtest du sofort mit dem Senden beginnen. Das ist verständlich, aber lege das Mikrofon zunächst beiseite und nimm die Taste aus der Hand. Mache dich mit allen Funktionen deines Geräts vertraut. So vermeidest du unangenehme Überraschungen beim Betrieb. Beginne außerdem mit dem Zuhören. Wer mit Zuhören beginnt, führt mehr erfolgreiche QSOs.  In Kapitel 8 kommen wir auf dieses Thema zurück.
  • Die korrekte Verwendung des Rufzeichens
    Verwende dein Rufzeichen korrekt. Denke daran, dass du eine schwierige Prüfung bestehen musstest, um auf den Bändern arbeiten zu dürfen. Sei also stolz auf dein Rufzeichen – es ist einzigartig! Nur wenn du es korrekt verwendest, ist dein Sendebetrieb legal. Hast du auf den Bändern schon einmal ein Rufzeichen gehört  wie 4ZZZZ? Wenn ich richtig liege, handelt es sich um eine Station aus Israel. Aus Belgien?? ON4ZZZZ – so klingt ein korrektes Rufzeichen. Denke daran, dass ein Rufzeichen aus Präfix und Suffix besteht. Wenn jemand dein Auto gestohlen hätte, würdest du der Polizei dann nur einen Teil des Kennzeichens nennen?
  • Sei höflich
    Das ist der kürzeste, aber wohl wichtigste Rat, den ich dir geben kann. Sei immer höflich. Was du sendest, wird von vielen Menschen gehört. Mit diesem einfachen Rat wirst du weit kommen. Wir behandeln das ausführlicher im Abschnitt über Konfliktsituationen.
  • Einige Hinweise zum Funkbetrieb über VHF-/UHF-Relais
    Die meisten Hinweise in den folgenden Kapiteln beziehen sich auf DX-Verbindungen auf den Kurzwellenbändern. Viele davon gelten jedoch auch für Verbindungen auf UKW. Das betrifft vor allem den Betrieb über Relais. Sie sind als Reichweitenvergrößerer konzipiert – hauptsächlich für Mobil- und Handfunkstationen. Alle Benutzer von Feststationen sollten das berücksichtigen, insbesondere wenn sie eine Verbindung auch ohne Relais herstellen können.
    Wer über ein Relais arbeitet, muss daran denken, dass er kein „Exklusivrecht“ auf dessen Nutzung hat. Eigentlich gilt das für Verbindungen auf allen Frequenzen. Außerhalb von Relais gilt: Wer eine Frequenz zuerst belegt, nutzt sie. Bei einem Relais sollte hingegen jeder freien Zugang zu seiner Frequenz haben.
    Bei der Nutzung eines Relais ist es üblich – wenn auch nicht zwingend vorgeschrieben –, zwischen den einzelnen Durchgängen Pausen einzulegen. So geben wir einer anderen Station die Möglichkeit, Zugang zum Relais zu erhalten. Wenn wir keine Pausen machen und nicht zuhören, gibt es diese Möglichkeit nicht. Denke daran, wenn du über ein Relais arbeitest!
  • Wie führt man ein QSO? Worüber kann ich sprechen?
    Nicht selten sind Anfänger vom ersten Kontakt mit dem Amateurfunk überrascht. Viele Verbindungen enden lediglich mit dem Austausch von Rufzeichen und Rapporten. Das muss aber keineswegs so sein! Anfangs mochte ich diese kurzen Verbindungen nicht und zog längere Gespräche vor. Tatsächlich habe ich „Ragchewing“ betrieben. Daran ist nichts auszusetzen. Mit der Zeit wurden meine Verbindungen jedoch sehr kurz. Jeder hat seine eigenen Gewohnheiten, und man sollte sie anderen nicht aufzwingen.
    Unser Hobby ist hauptsächlich technischer Natur, aber der Inhalt der Verbindungen muss sich nicht darauf beschränken. Andererseits ist Amateurfunk kein Tratschkanal. Verlasse dich bei der Wahl der Gesprächsthemen auf deinen gesunden Menschenverstand. Vermeide Religion, Politik und Werbung für geschäftliche Aktivitäten. Einseitige Übertragungen und Ankündigungen sind ebenfalls verboten.
    Das belgische Handbuch – erstmals um ein Kapitel über Betriebspraxis erweitert – erklärt, wie man Funkverbindungen herstellt. Im Folgenden zitiere ich einige der dort enthaltenen Hinweise und ergänze sie um einige eigene Anmerkungen:
    Bevor du auf einer bestimmten Frequenz sendest, prüfe immer, ob sie von anderen Stationen benutzt wird. Wenn die Frequenz frei ist, kannst du CQ rufen –  allgemeiner Anruf – (wahrscheinlich abgeleitet von „Seek You“ – „Ich suche dich“, wie Pat W5THT vermutet). Siehe Abschnitt 7 – Wie ruft man CQ?
    Die Reihenfolge, in der die Rufzeichen während einer Verbindung genannt werden, ist einfach und unveränderlich: zuerst das Rufzeichen des Gesprächspartners, dann das eigene. Zum Beispiel: (du bist ON4ZZZZ) Danke, OM, Mikrofon zu dir – ON4XXXX de ON4ZZZZ. Diese Formulierung bedeutet das Ende deines Durchgangs und die Übergabe der Frequenz an den Gesprächspartner. Und denk daran: Sei höflich. Beende jede Verbindung mit der Nennung deines Rufzeichens. Wenn du intensiv auf einem Band arbeitest und häufig, aber kurz sendest, nenne es mindestens alle fünf Minuten. Lege in dieser Situation regelmäßig Pausen ein, damit dich jemand, der es nötig hat, rufen kann. Denke daran, dass du eines Tages auf den Bändern einen Hilferuf empfangen könntest – sei darauf vorbereitet!
    Bringe in einem Durchgang nicht eine Million Themen zur Sprache. Sprich kurz und präzise, damit dein Gesprächspartner antworten kann. Denke daran, dass ihr euch nicht immer in einer Sprache unterhaltet, die ihr gut genug beherrscht, um eine ungezwungene Diskussion zu führen. Zum Beenden eines Durchgangs kannst du „over“ sagen – die Erfahrung wird dir helfen einzuschätzen, wann das sinnvoll ist und wann nicht. Ähnlich in der Telegraphie: Du kannst mit „K“ oder „KN“ enden, wenn du dich an eine bestimmte Station wenden möchtest, deren Rufzeichen du gerade genannt hast. Ein CW-QSO endet mit dem Senden von „SK“. In SSB kannst du „Out“ oder „Clear“ verwenden.
    Jemand machte mich auf folgende Tatsache aufmerksam: Manche Operatoren scheinen zu vergessen, dass auch sie einmal Anfänger waren. Manchmal hört man eine Station „CQ DX“ rufen, die eine lokale Station, die auf ihren Ruf antwortet, mit unflätigen Worten beschimpft. Dieser „lokale“ Anfänger sollte verstehen, dass seine Antwort auf einen solchen Ruf unerwünscht ist. Der DX-Jäger wiederum könnte sich an seine Anfänge erinnern, als er auf der Suche nach einem neuen Land jeden ohne Ausnahme rief. Er sollte sich daran erinnern und Verständnis statt Aggression zeigen.  In einer solchen Situation gebe ich einen kurzen Rapport, logge die Verbindung und informiere darüber, dass ich nach DX suche. Der Anfänger versteht das meistens und hört beim nächsten Mal aufmerksamer zu. Gleichzeitig freut er sich über das neue Land – und genau darum geht es! Gib also jedem eine Chance und vergiss deine eigenen Anfänge nicht.
  • Wie ruft man CQ?
    Vergewissere dich, dass die Frequenz frei ist. Nur zuzuhören reicht nicht – du musst fragen, ob sie benutzt wird. Bei SSB frage nach längerem Zuhören zum Beispiel: „Is this frequency in use?“. Vergiss nicht, dein Rufzeichen hinzuzufügen. Warte kurz auf eine Antwort und wiederhole die Frage. Wenn auch diesmal niemand antwortet, kannst du guten Gewissens CQ rufen. Wenn du auf CW oder RTTY arbeitest, frage mit „QRL?“. Manche Operatoren glauben fälschlicherweise, ein einzelnes Fragezeichen genüge. Das ist ein Fehler: Wenn auf der Frequenz gerade eine Verbindung stattfindet und du eine der Stationen nicht empfängst, kann ein gesendetes „?“ von den übrigen Stationen auf der Frequenz missverstanden werden. Damit kannst du chaotische Reaktionen aller möglichen „Beruhiger“ auslösen (siehe Kapitel 12) – „QRL?“ wird dagegen von allen eindeutig verstanden. Verwende in der Telegraphie außerdem eindeutige Antworten: R (received/empfangen, roger), Y (yes/ja), Yes, QSY.
    Wenn du versehentlich auf einer belegten Frequenz zu senden beginnst – besonders, wenn es die Frequenz einer Expedition oder eines seltenen DX ist –, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass du „getauft“ wirst. Bleib ruhig und reagiere niemals. Wechsle die Frequenz oder – wenn du wissen möchtest, wem die Frequenz gehört – höre ruhig zu. Frage nicht nach, um welches DX es sich handelt.
    Viele Probleme lassen sich mit der einfachsten Regel eines guten Operators vermeiden: HÖRE ZU! Diese eiserne Regel in Verbindung mit der Frage „QRL?“ hilft dir, unangenehme Situationen bei der Suche nach einer freien Frequenz zu vermeiden.
    Wenn du CQ rufst, vermeide folgendes Verhalten: 10-mal CQ + 1-mal Rufzeichen. Sinnvoller ist es, zweimal CQ zu senden und das Rufzeichen zehnmal zu wiederholen. (Natürlich übertreibe ich – viermal reicht völlig aus!) Das Wichtigste an einem Anruf ist die Information, WER ihn aussendet, also dein Rufzeichen. Bei schlechten Bedingungen oder wenn dich eine weit entfernte Station empfangen soll, ist es wichtig, dass dein Rufzeichen und nicht das Wort CQ aufgenommen wird. 15-mal CQ zu rufen und dann das Rufzeichen zu nennen, verfehlt den Zweck. Übung macht den Meister. Wenn dir Erfahrung fehlt, höre zu, wie es andere machen. Du wirst schnell deinen eigenen, wirksamen Stil der Betriebsabwicklung entwickeln.
  • Pileup
    Wenn du einmal vom DX-Fieber gepackt bist und nach DX jagst, wirst du dich häufig mit einem Pileup auseinandersetzen müssen. Sobald die gesuchte Station auf dem Band erscheint, bildet sich sehr schnell eine Gruppe von Funkamateuren, die mit ihr eine Verbindung herstellen möchte. Sobald ein QSO endet, beginnt die Menge sofort, das DX zu rufen. Diese Menge rufender Stationen ist der Pileup.
    Nicht nur seltene Länder „erzeugen“ Pileups. Auf den Bändern findet man häufig Expeditionen zu unbewohnten, abgelegenen Inseln oder in Länder, in denen es keinen Amateurfunkbetrieb gibt. Ziel solcher Expeditionen ist es, möglichst vielen Interessierten eine Verbindung zu ermöglichen. Es ist klar, dass Verbindungen mit Expeditionen SO KURZ WIE MÖGLICH sein sollten, damit möglichst viele Interessierte zum Zug kommen. Denke daran: Den Operator einer solchen Station interessieren dein QTH, deine Ausrüstung oder der Name deines Hundes nicht.
    Wie stellt man am besten schnell eine Verbindung mit einer seltenen Station oder einer Expedition her?
    „HÖRE ZU  HÖRE ZU und noch einmal HÖRE ZU!
    Du fragst: Warum sollte ich überhaupt zuhören? Ganz einfach: Ein Operator, der zuhört, weiß, was auf der Frequenz geschieht, und kann sich im Pileup leichter zurechtfinden.
    Wenn du aufmerksam zuhörst, erkennst du, wie die Station arbeitet, für die du dich interessierst, und ob sie beispielsweise im Splitbetrieb arbeitet. Überprüfe beim Zuhören die folgenden Einstellungen an deinen Geräten: Hast du die richtige Antenne gewählt, SPLIT eingeschaltet und das Gerät auf eine FREIE Frequenz abgestimmt? Leider hört man oft, dass letzterer Vorgang AUF der DX-Frequenz erfolgt. Falsch! Ein solches Verhalten führt zum Auftreten sogenannter „Polizisten“ (siehe Kapitel 12) und nimmt vielen die Möglichkeit, die Verbindung herzustellen, weil die gesuchte Station im Chaos nicht mehr zu hören ist. Bevor du sendest, vergewissere dich, dass du das Rufzeichen des DX korrekt aufgenommen hast. Häufig gelangt man dank einer Information im DX Cluster auf die Frequenz des DX. Cluster-Spots können Fehler enthalten. Vergewissere dich, dass du das Rufzeichen des DX richtig aufgenommen hast. So vermeidest du unangenehme Rücksendungen deiner QSL-Karte mit dem Vermerk „NOT IN LOG“ oder „NOT ACTIVE THAT DAY“.
    Ein erfahrener DX-Operator wechselt auf SPLIT, wenn er merkt, dass er die auf seiner Frequenz rufenden Stationen nicht mehr kontrollieren kann. Dadurch bleibt die Sendefrequenz frei, und seine Station ist deutlich leichter zu empfangen. Ein weniger erfahrener Operator arbeitet weiter im Simplexbetrieb  und verliert die Kontrolle über den Pileup, bis er schließlich entmutigt QRT macht. In einer solchen Situation kannst du während des QSOs vorschlagen, dass das DX auf SPLIT wechselt. Natürlich nur, wenn viele Stationen rufen und das DX Schwierigkeiten hat, die Situation zu beherrschen. Dann werden dir die übrigen Operatoren dankbar sein, wenn es dir gelingt, das DX zum Splitbetrieb zu bewegen.
    Sehen wir uns einige typische Situationen in einem Pileup an.
    • a) SSB-Pileup im Simplexbetrieb
      Wie gelingt es am besten, sich durch die Menge der auf einer Frequenz rufenden SSB-Stationen durchzusetzen? Warte, bis das vorherige QSO beendet ist! Entscheidend ist das richtige Timing. Wenn du dich unmittelbar nach dem Ende des vorherigen QSOs in die Menge der Rufenden stürzt, gelingt es dir wahrscheinlich nicht. Warte etwa sieben Sekunden und sende dein vollständiges Rufzeichen EINMAL. Und höre zu …
      Welche Methode du verwendest, hängt allein von deiner Erfahrung ab. Höre aufmerksam, was im SSB-Pileup geschieht. Achte darauf, wie viel vom Rhythmus abhängt, in dem das DX arbeitet, und wie geschickt es die einzelnen Stationen aus der Menge herausfischt. Wenn du sofort nach dem vorherigen QSO rufst, geht dein Rufzeichen zwischen Dutzenden anderen rufenden Stationen unter. Die Rufenden im Pileup senden ihr Rufzeichen zwei-, drei- oder manchmal viermal. Währenddessen hat das DX bereits einer dieser Stationen geantwortet, doch niemand empfängt es, weil weiterhin jemand ruft, ohne zuzuhören. Wenn du die erwähnten sieben Sekunden wartest, besteht die Chance, dass der größte Teil der Menge bereits ausgerufen hat und gerade tief Luft holt. Nutze diesen Moment und sende dein Rufzeichen EINMAL. Und höre zu … Nenne das Rufzeichen relativ schnell. Jegliches Dehnen ist sinnlos. „Oscar November Four Zulu Zulu Zulu Zulu“ – so sollte dein Rufzeichen klingen. Vermeide es, das Rufzeichen zu verlängern: „Ooooooscaaaar Noooooooveeembeeer Fooooour Zuuuuuluuuuu …“. Achte dabei auf die korrekte Verwendung des phonetischen Alphabets. Denke daran: Buchstabieren dient dazu, Missverständnisse zu vermeiden. Zu diesem Zweck wurden den 26 Buchstaben bestimmte Wörter zugeordnet. Im DX-Pileup hört das DX eine Kakophonie dieser Wörter und versucht, größere Fragmente herauszufiltern. Wenn du die Buchstabierweise änderst, erschwerst du ihm nur die Aufgabe.
      Sehr häufig kommt es vor, dass das DX gerade DEN Buchstaben nicht korrekt aufnimmt, der auf andere als die standardisierte Weise buchstabiert wurde. Zum Beispiel klingt „Lima“ eindeutig und kurz. Viele verwenden jedoch „London“ zum Buchstabieren. Wenn dein Signal schwach ist, nimmt das DX „Lima“ schneller auf als „London“. Dafür gibt es viele weitere Beispiele. Bravo – Baltimore. Echo – Easy (sehr schlecht!). Hotel – Honolulu (schlecht). Juliett – Japan. Kilo – Kentucky. Lima – London (schlecht). November – Norway (sehr schlecht). Oscar – Ontario/Ocean (sehr schlecht!). Papa – Portugal (sehr schlecht!). Quebec – Quitto (sehr schlecht!). Romeo – Radio. Sierra – Santiago. Tango – Toronto (schlecht). Uniform – United/University (schlecht!). Victor – Venezuela (schlecht). Whiskey – Washington (sehr schlecht). X-ray – Xylophone (sehr schlecht). Yankee – Yokohama (sehr schlecht!). Zulu – Zanzibar (schlecht).
      Beachte, dass das DX eine schwache Station nicht nur anhand bestimmter Wörter, sondern auch anhand von Wortfragmenten, Silben oder der Intonation aufnehmen kann. Wenn eine Silbe durch Störungen verloren geht, lässt sich das Wort möglicherweise dennoch rekonstruieren.
      Wenn das DX dir mit deinem vollständigen Rufzeichen antwortet, wiederhole es nicht mehr. Gib den Rapport durch und verschwende keine Zeit. Je kürzer die Verbindung, desto besser. Die übrigen Operatoren werden es sicher zu schätzen wissen. Wenn du eine DX-Station im Pileup rufst, nenne niemals ihr Rufzeichen! Das ist irritierend! Schließlich weiß das DX, wie sein eigenes Rufzeichen lautet. Auch die übrigen Rufenden wissen, warum sie hier sind. Außerdem verlierst du erneut Zeit. Nenne dein Rufzeichen einmal – das genügt. Zweimal ist das Maximum, und ich empfehle es eher nicht. Außer in einer Situation, in der das DX schlecht empfängt und du wiederholen musst. Dreimal ist bereits übertrieben. Wenn das DX mit einem Fragment deines Rufzeichens antwortet, betone den fehlenden Teil.

      Zum Beispiel:
      – XU7ACV, QRZ?
      (warte sieben Sekunden)
      – ON4ZZZ
      – ON4ZZZ You’re 59 QSL?
      – QSL 59
      – Thanks, XU7ACV, QRZ?
      – XU7ACV, QRZ?
      (warte sieben Sekunden)
      – ON4ZZZZ
      – 4ZZZZ You’re 59, QSL?
      – ON4
      – ON4ZZZZ, 59, QSL?
      – ON4ZZZZ Thanks! QRZ? XU7ACV…

      Wenn das DX mit einem Fragment eines Rufzeichens antwortet, das nichts mit deinem eigenen zu tun hat, antworte nicht! Wiederholen wir es: Antworte nicht, höre zu! In diesem Moment möchte das DX dich nicht hören. Wenn die Stationen im Pileup diese eine einfache Regel befolgen würden, fänden sich im Log des DX  deutlich mehr Stationen. Leider sehen viele sogenannte „DX-Männer“ nur die eigene Nasenspitze. Andere rufen gedankenlos, obwohl sie wissen, dass das DX ihnen nicht antworten wird. WESHALB?! Das ist reine Zeitverschwendung und Ausdruck extremen Egoismus. Wenn das DX jemanden mit „Only …“ (nur Station …) ruft, bedeutet das, dass es bereits mehrmals versucht hat, eine bestimmte Station zu erreichen, diese aber wegen des verwerflichen Verhaltens der trotz der Bitte um Ruhe weiter rufenden Operatoren nicht aufnehmen konnte. Dasselbe gilt für einen Aufruf an ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Kontinent. Wenn das DX nur Stationen aus Japan bittet und die Europäer auffordert, auf Empfang zu bleiben, respektiere seine Bitte. Verzichte auf unnötige Kommentare und Drängen wie „Europe Please“. Das gehört sich für einen guten Operator nicht.

    • b) CW-Pileup im Simplexbetrieb
      Dieselben Hinweise wie für den SSB-Betrieb gelten auch für die Telegraphie. Es gibt jedoch einige Unterschiede, die sich aus den Besonderheiten dieser Betriebsart ergeben. Rufe das DX nicht mit „de ON4ZZZZ“ – das Rufzeichen allein genügt, ohne „de“ (in der Telegraphie für „von“). Dieses „de“ erschwert es dem DX, im Pileup Fragmente von Rufzeichen herauszufiltern. Dasselbe gilt für das Beenden der Aussendung mit K – tu das nicht. Je weniger eindeutig die Information ist, die du sendest, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers. In extremen Situationen kann „K“ als Teil deines Rufzeichens aufgefasst werden – besonders, wenn du ein zweibuchstabiges Suffix hast (siehe Kapitel 13).
      Wenn die rufende Station (zum Beispiel du) längere Zeit nicht sendet (etwa so lange wie die Übertragung von zwei Rufzeichen), wertet der Operator der DX-Station deine Übertragung als beendet.
      Höre genau auf den Rhythmus, in dem das DX arbeitet. Du wirst erkennen, welche Stationen es auswählt. Passe deine Sendegeschwindigkeit an die durchschnittliche Geschwindigkeit der Stationen an, mit denen es eine Verbindung hergestellt hat. Nur weil das DX mit 40 WPM sendet, bedeutet das nicht, dass es am liebsten mit Stationen arbeitet, die ebenfalls 40 WPM senden. Vielleicht ergibt sich diese Geschwindigkeit aus dem Wunsch, Zeit zu sparen. Sende daher besser langsamer.
      Denke daran, nicht zu stören, wenn das DX nur in eine Richtung ruft, mit einem empfangenen Rufzeichenfragment antwortet oder sich mit KN an eine bestimmte Station wendet. Lass nicht zu, dass der DX-Operator durch Stationen, die ununterbrochen die Station überrufen, mit der das DX gerade eine Verbindung herzustellen versucht, die Geduld verliert.  Störenden Stationen, die das DX gerade zu arbeiten versucht. Sei nicht eine von ihnen!
  • c) RTTY und andere digitale Betriebsarten – Pileup im Simplexbetrieb
    Anders als in den vorherigen Fällen erfordern digitale Betriebsarten, dass das Rufzeichen mehr als einmal gesendet wird. Ich empfehle, es zwei- oder dreimal zu senden. Die Regel lautet, dies nicht öfter zu tun als unbedingt nötig. Denke daran: Wichtiger als die Anzahl der Aussendungen deines Rufzeichens ist der Zeitpunkt, zu dem du es sendest. Das richtige Timing ist entscheidend. Wenn du und die anderen Rufenden das DX mit endlosen Anrufen überschüttet, besteht die einzige Hoffnung darin, dass es – bevor es die Geduld verliert – auf SPLIT wechselt.
  • d) SSB – SPLIT-Betrieb
    „Ein DX im Split? Kinderleicht!“ Vielleicht nicht kinderleicht, aber sicher eine Erleichterung. Jetzt kann sich die gesamte Aufmerksamkeit des Operators dieser Station auf die Herstellung von Verbindungen konzentrieren, statt die Ordnung auf der Frequenz aufrechtzuerhalten. Im Vergleich zum Simplexbetrieb steigt die Zahl der QSOs.
    Wie gelangt man schnell ins Log des DX? Zuhören, zuhören und nochmals zuhören … Du siehst: Viele der im Simplexbetrieb verwendeten Methoden kannst du auch hier einsetzen. Prüfe, ob dein TRX den richtigen SPLIT eingestellt hat, und höre eine Weile zu, bevor du rufst. Denke daran: Am besten rufst du im richtigen Moment. Gute Operatoren erkennt man unter anderem daran, dass ihnen ein oder zwei Rufe genügen, um eine Verbindung herzustellen.
    Wenn du vor dem Rufen eine Weile zuhörst, kannst du erkennen, in welchem Rhythmus der Operator der gewünschten Station arbeitet. Prüfe, wie breit der SPLIT ist – 5 oder 10 kHz. Wie nutzt der Operator diesen Bereich, wo hört er? Beobachte, ob es dabei eine Methode gibt – und welche. Fischt der Operator bei SSB beispielsweise alle 2 kHz eine Station heraus oder eher alle 3 oder 5 kHz? Oder hört er nur am Anfang und am Ende des Fensters? Überlege auch, wie die Ausbreitungsbedingungen zwischen dem DX und deiner Station sind. Hast du jetzt eine Chance, dich gegen die Menge rufender Stationen beispielsweise aus Japan oder von der Westküste durchzusetzen?
    Und jetzt … rufe mit deinem vollständigen Rufzeichen. Einmal. Und höre zu. Wenn du alles oben aufmerksam gelesen hast, sollte es nicht schwierig sein, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu rufen. Mehr noch: Ich wette, dass du schnell eine Verbindung herstellen wirst. Und nein – dafür brauchst du kein Kilowatt. Denke beim Rufen daran: Wenn die Station, für die du dich interessierst, mit einem Rufzeichenfragment antwortet und es sich nicht um einen Teil deines Rufzeichens handelt – SENDE NICHT! Ich werde es bis zum Überdruss wiederholen: NICHT DEIN RUFZEICHEN – NICHT DEIN DURCHGANG! Und es spielt keine Rolle, dass du im Split arbeitest. Du störst trotzdem und verzögerst den gesamten Ablauf – auch für dich selbst.  Dass andere es so machen, bedeutet nicht, dass du dich ebenfalls den schlechten Operatoren anschließen musst. Tu es nicht. Sei ein Gentleman auf dem Band. Außerdem hast du, wenn du nicht an der Reihe bist, den Empfänger eingeschaltet und hörst somit zu, was auf der Frequenz geschieht – dadurch steigt deine Chance, die Verbindung herzustellen.
    Ich empfehle erneut, dein Rufzeichen beim Rufen nur einmal zu senden. Zweimal ist das absolute Maximum. Das ist wirklich wichtig. Verschiedene Operatoren haben unterschiedliche Arbeitsweisen. Um einen Pileup zu verkleinern, bitten manche darum, dass sich Stationen mit aufeinanderfolgenden Ziffern im Rufzeichen melden. Wenn die aktuell aufgerufene Ziffer nicht deine Bezirksnummer ist, sende nicht!
    • e) Telegraphie – SPLIT-Betrieb
      Alle Hinweise zum SSB-Splitbetrieb gelten auch für CW. Sei so höflich, sie noch einmal zu lesen. Passe die Sendegeschwindigkeit an die durchschnittliche Geschwindigkeit der Stationen an, mit denen das DX arbeitet. So sendest du mit einer für den Operator der DX-Station angenehmen Geschwindigkeit. Rufe mit deinem Rufzeichen EINMAL. Es hat keinen Sinn, es mehrfach hintereinander zu senden. Sende einmal und höre zu! Wenn nichts geschieht und du dein Rufzeichen zweimal senden möchtest, verwende QSK – dann weißt du, ob das DX während deiner Übertragung begonnen hat, jemandem (vielleicht dir) zu antworten. Falls ja, brich die Übertragung ab und benutze das zweite VFO, um die Station zu finden, der es antwortet.

    • f) RTTY und andere digitale Betriebsarten – SPLIT-Betrieb
      Ich empfehle erneut, die Hinweise im Abschnitt über SSB noch einmal durchzusehen. Die dort beschriebenen Techniken gelten auch für digitale Betriebsarten.
      Rufe dein Rufzeichen zweimal und höre anschließend zu. Du wirst schnell feststellen, dass Stationen, die zweimal rufen, einen Fehler machen – bevor sie fertig gesendet haben, antwortet das DX bereits jemand anderem. Wenn die Ausbreitungsbedingungen es zulassen, versuche mit deinem zweiten VFO die Station zu finden, der das DX antwortet.

  • Das „Auf-den-Fersen-Folgen“, also Tail Ending
    Vor etwa zwanzig Jahren tauchte ein neuer Trick auf – Tail Ending. Von Anfang an war und ist er bis heute umstritten. Sein Auftreten fiel mit der Verbreitung eines zweiten VFO zusammen. SPLIT-Betrieb wurde damals unter DX- und Expeditionsteams sehr populär. Die Menge der Rufenden hörte auf dem zweiten VFO das QSO des DX mit einer Station mit. Nachdem im QSO bereits die korrekten Rufzeichen und Rapporte ausgetauscht waren, also alles in Ordnung war und die Verbindung ihrem Ende zuging, tauchte eine Station auf, die sich an den noch sendenden Vorgänger „anhängte“. War das Signal stark genug, hatte das DX das Rufzeichen bereits notiert und wandte sich, sobald der vorherige Operator fertig war, direkt an die notierte Station. Theoretisch sollte diese Methode Zeit sparen, doch schnell zeigte sich, dass nur sehr wenige Operatoren sie korrekt beherrschen. Stattdessen tauchten Massen von Rufenden zu beliebigen Zeitpunkten auf, was zum Verlust wertvoller Zeit, unvollständigen QSOs, falsch aufgenommenen Rufzeichen, Rapporten usw. führte.
    Heute, da die Disziplin der Operatoren auf den Bändern immer schlechter wird, fehlt es nicht an Stationen, die in laufende Verbindungen hineinrufen. Wenn der Operator der DX-Station auf einen solchen Ruf antwortet, denkt der gesamte Rest sofort, dass man eben so rufen müsse – schließlich war diese Methode erfolgreich. Dann herrscht Chaos auf der Frequenz.
  • DX-Fenster
    Die zuständigen staatlichen Institutionen haben bestimmte Frequenzen für den Amateurfunk vorgesehen. Gleichzeitig haben diese Institutionen keine Aufteilung dieser Frequenzen nach Betriebsarten festgelegt. Deshalb war eine internationale Vereinbarung über die Aufteilung der Frequenzen durch die IARU erforderlich. Der Bandplan der IARU-Region 1 sieht zwei Bereiche im 80-Meter-Band vor, in denen Verbindungen  zwischen Kontinenten Vorrang haben. Diese Frequenzen sind 3500–3510 kHz und 3775–3800 kHz. Außerdem gibt es im 20-Meter-Band eine für DX-Expeditionen vorgesehene Frequenz – 14195 kHz ± 5 kHz. Darüber hinaus gibt es allgemein anerkannte Bandbereiche, in denen DX-Expeditionen oder selten aktive Länder „auftauchen“ können. Es lohnt sich, diese auch „DX-Fenster“ genannten Bandbereiche zu kennen und zu respektieren.
    Als ich einst mit geringer Leistung aus Zentralafrika arbeitete, wollte ich möglichst vielen Stationen ermöglichen, das seltene Land zu arbeiten. Ich suchte immer einen freien Platz in einem der DX-Fenster, um CQ zu rufen. Ich hoffte, dass diese Frequenzen von DX-Männern abgehört wurden, die darauf warteten, dass etwas Seltenes auftauchte. Wie enttäuscht war ich, als sich herausstellte, dass diese Frequenzen voller „gewöhnlicher“ europäischer Stationen waren, die gemütlich „Ragchewing“ betrieben
    Viele Operatoren sind der Ansicht, DX-Fenster seien dazu da, dass sie dort CQ DX rufen können. Dem würde ich nicht zustimmen. Die Fenster sind eine „Schutzzone“ für schwache, weit entfernte Stationen. Es wäre gut, wenn starke Stationen auf diesen Frequenzen nicht CQ DX rufen, sondern häufiger nach entfernten Stationen suchen würden.
    Behalte beim Abhören der Bänder die unten aufgeführten Frequenzen im Auge:
    * (SSB) 1845 kHz, 3790–3800 kHz, 7045 kHz, 18145 kHz, 21290–21300 kHz, 24945 kHz, 28490–28500 kHz
    * (CW) 1830–1835 kHz, 3500–3510 kHz, 10103–10105 kHz, 14020–14025 kHz, 18075 kHz, 21020–21025 kHz, 24895 kHz, 28020–28025 kHz
    * (RTTY) ± 14080 kHz, 21080 kHz, 28080 kHz
    Denke auch daran, dass DX-Stationen an einer anderen Stelle des Bands auftauchen können.
  • Konfliktsituationen
    Es lohnt sich, daran zu denken, dass wir ein gemeinsames Hobby betreiben und der Äther ein Ort ist, an dem wir uns alle – Hunderte und Tausende von Funkamateuren – treffen. Es ist ganz natürlich, dass es in einer so großen Gruppe zu Konflikten kommt. Vollständig vermeiden lässt sich das nicht; vielleicht lohnt es sich daher, einige wohlmeinende Ratschläge anzuhören.
    Wie wir in Kapitel 4 bereits festgestellt haben, lohnt es sich immer, höflich zu sein. Das ist der beste Weg, Konfliktsituationen auf positive Weise zu lösen.
    Betrachten wir jedoch ein ganz extremes Beispiel – IZ9XXXX aus Sizilien. Pipo hat die ärgerliche Angewohnheit, CQ auf 14195 kHz zu rufen – also auf einer Frequenz, die üblicherweise für den Betrieb mit DX-Expeditionen und seltenen DXCC-Gebieten vorgesehen ist. Immer wenn Pipo auf der Frequenz erschien, herrschte nach kurzer Zeit Chaos. Operatoren aus ganz Europa, die diesen Bandbereich nach entfernten Stationen absuchten, versuchten zu verhindern, dass Pipo die Frequenz „besetzte“. Er hatte jedoch eine ausgeklügelte Methode: Er fragte immer, ob die Frequenz frei sei. Und sie war frei, denn so sollte es sein, damit europäische oder amerikanische DX-Männer den Ruf einer weit entfernten Station hören konnten. Da niemand auf Pipos Frage antwortete, nahm er an, die Frequenz sei frei, und belegte sie mit seinem CQ-Ruf. Auf seinen Ruf antwortete eine Menge von Stationen, die darauf hinwiesen, dass er eine Frequenz nutzte, die üblicherweise für DX-Expeditionen vorgesehen ist. Das Paradoxe an der Situation war, dass praktisch keine dieser Stationen ihr Rufzeichen nannte und damit die Amateurfunkvorschriften verletzte. Seit dem 1. Januar 2006 räumt die IARU-Region 1 im Frequenzbereich 14190–14200 kHz DX-Expeditionen Vorrang ein.
    Ich beobachtete diese Situation erstmals Mitte 2003. Wiederholt wurde ich Zeuge, wie zahlreiche DX-Männer Pipo beschimpften. Beachte, dass jeder von ihnen die Vorschriften für Funkamateure verletzte. Und wenn jemand Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen sollte, die den Amateurfunk in den einzelnen Ländern überwachen, dann eher sie und nicht Pipo, der immer sein Rufzeichen nannte. Bei einer objektiven Bewertung der Situation müssten wir zugeben, dass Pipo ein asozialer Funkamateur ist, der vielen anderen Operatoren den Spaß verdorben hat. Seine Handlungen fanden jedoch immer legal und innerhalb der durch die Vorschriften gesetzten Grenzen statt.
    Welche Haltung ist solchen Fällen gegenüber also angemessen? Mit Schreien oder Spott wirst du sicher nichts erreichen. Deine Aufmerksamkeit wird ihm das Gefühl geben, im Mittelpunkt zu stehen, und ihn zu weiteren Streichen antreiben. Besser ist es, ihn zu ignorieren und die Frequenz zu wechseln.
    Am 12. August 2003 stellte Pipo meine Nerven erneut auf die Probe. Ich antwortete auf sein CQ, und wir führten etwa 20 Minuten lang ein QSO auf 14195 kHz. Während dieser Verbindung stellte ich fest, dass Pipo sich überhaupt nichts aus den Dutzenden von Sendern machte, die ihn auf dem Band beschimpften, ohne ihre eigenen Rufzeichen zu nennen. Er hatte bereits schlimmere Erfahrungen gemacht, etwa anonyme Telefonanrufe, in denen man ihm mit dem Tod drohte (einen solchen Anruf nahm seine Tochter entgegen!). Wir tauschten uns auf kultivierte Weise darüber aus, ob Pipo seine „Tätigkeit“ einstellen sollte oder nicht; danach war 14195 kHz einige Wochen frei. Natürlich kehrte Pipo nach einiger Zeit zurück. Bei nächster Gelegenheit, 2005, während des Betriebs der Expedition K7C, erschien Pipo jedoch wieder und fragte, ob die Frequenz frei sei. Ich antwortete: „Sri Pipo, aber sie ist von K7C belegt, 73 from ON4WW“. Pipo ging 5 kHz tiefer, und die Sache war erledigt.
    Zu Beginn meiner Amateurfunkzeit ereignete sich auf 21300 kHz ein sehr trauriger Vorfall. Einer der Kollegen von ON6 führte auf einer Frequenz, auf der eine große DX-Expedition arbeitete, eine lokale Verbindung. Ich wies den Operator darauf hin und bat ihn, die Frequenz zu wechseln. Als Antwort hörte ich eine Kette von Beschimpfungen, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass dieser ON6 und der damals mit ihm anwesende ON4 regelmäßig die lokalen VHF-Relais besetzten. Vielleicht taten sie das, weil sie schlecht erzogen waren, oder vielleicht, weil diejenigen, die sie in grober Weise darauf hinwiesen, sie so „erzogen“ hatten?
    Zum Schluss noch ein Beispiel für einen Vorfall zwischen zwei jungen Funkamateuren und einem älteren Kollegen in Belgien. Zwei ON3 (in Belgien tragen NOVICE-Lizenzinhaber dieses Präfix) führten über ein VHF-Relais eine Verbindung. Währenddessen teilte einer dem anderen mit, dass er ihn direkt gut empfange (auf dem Eingang des Relais). Daraufhin schaltete sich der ältere Kollege ON4 ein und befahl beiden Gesprächspartnern arrogant, das Relais zu verlassen. Ein solches Verhalten ist unzulässig. Ein Funkamateur muss höflich sein. Eine laufende Verbindung kann unterbrochen werden, wenn man beispielsweise das Relais benutzen muss, um jemanden zu rufen. Darüber hinaus dient ein Relais hauptsächlich dazu, Verbindungen zwischen tragbaren und mobilen Stationen zu ermöglichen.
    Damit kommen wir zum nächsten Kapitel:
  • Polizisten auf den Bändern
    Die Gemeinschaft der Funkamateure sollte im Grunde selbst für Ordnung auf den von ihr genutzten Frequenzen sorgen. Solange nichts Gesetzwidriges geschieht, greifen externe Institutionen nicht ein. Das bedeutet nicht, dass zur Aufrechterhaltung der Ordnung eine Art interne Polizei erforderlich wäre. Selbstdisziplin genügt.
    Kehren wir kurz zu unserem Bekannten zurück – Pipo aus Sizilien. Wenn Pipo auf seine Frage „Ist die Frequenz frei?“ statt meiner ruhigen Antwort eine Kette von Beschimpfungen durch einen selbsternannten DX-Mann – einen Polizisten – hören würde, wäre das eine der Anzeichen dafür, dass die Dinge immer schlechter werden. Diese Beschimpfungen und die allgemein zunehmend schlechtere Sprache in der Kommunikation sind ein solches Anzeichen.
    Von jemandem wie unserem Pipo ist zu erwarten, dass es ihm Spaß macht, auf 14195 kHz zu bleiben, und dass er nur ungern woandershin wechselt. Wenn sich die Polizisten jedoch damit beschäftigen, ihn zu beleidigen, werden sie ihn nicht nur nicht schnell los, sondern auch die Expedition K7C kann nicht arbeiten. Alle verlieren Zeit; Interessierte können nicht mit der Expedition arbeiten, und schließlich sitzen die Mitglieder der Expedition, die Energie und Geld geopfert haben, nahezu untätig und hilflos da. Alles dank übereifriger Polizisten und selbsternannter „Beruhiger“. Die meisten von ihnen haben im Übrigen gute Absichten, doch durch beleidigende Sprache und unhöfliches Verhalten steigern sie die Aggression und vergrößern das Chaos auf der Frequenz. Die Polizisten, die ruhig und höflich bleiben, sind bei der Ordnung des Funkverkehrs häufiger erfolgreich. Beide Arten von Polizisten senden, wenn sie andere auf dem Band zurechtweisen, selbst – sofern sie nicht ihr Rufzeichen nennen, was meistens der Fall ist – vorschriftswidrig.
    Wann trifft man auf Polizisten? Meistens erscheinen sie auf der Frequenz eines DX oder einer Expedition, vor allem, wenn diese im Split arbeitet. Häufig vergisst ein Operator, den Split an seinem Gerät einzustellen, und ruft auf der DX-Frequenz. Ein solcher Operator ruft das DX oft mehrmals und macht es allen Interessierten unmöglich, das vom DX Gesendete zu empfangen. Das ist für die Polizisten das Signal, dass sie eingreifen müssen.
    Ein besser erzogener Polizist wird versuchen, den Eindringling aus der falschen Frequenz zu lotsen, indem er ihn auffordert, nach oben oder unten zu wechseln (UP, DOWN). Er möchte dem Eindringling eher helfen als ihn bestrafen. Ich möchte die auf dem Band gehörten Situationen nicht genau zitieren, um keine schlechten Vorbilder zu verbreiten.
    Wenn du Lust hast, den Polizisten zu spielen und jemanden zurechtzuweisen, überlege bitte, welche Folgen dein Eingreifen haben könnte.  Denke daran: Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Eskalation des Chaos. Wenn bereits jemand zurechtweist, schweige unbedingt! Wenn du doch zurechtweist, tue es so schnell und kurz wie möglich – zwei oder drei Buchstaben des Suffixes und die Information „UP“ oder „DOWN“ reichen völlig aus. Jede längere Information verstärkt nur das Chaos.
    Ein Beispiel aus CW:
    ON4WW ruft versehentlich auf der Frequenz des DX. Du möchtest ein guter Polizist sein? Sende an ihn „WW UP“. Wenn du nur „UP“ sendest, versteht ON4WW möglicherweise nicht, dass du dich an ihn wendest. Er wird seinen Fehler wiederholen und auf der DX-Frequenz senden. Dadurch weckt er weitere Polizisten, die beginnen, ihn zurechtzuweisen, zu vertreiben oder zu beleidigen.
    Achte daher darauf, deine Rufe eindeutig zu adressieren. Das vollständige Rufzeichen zu senden dauert zu lange – denke daran, dass alles auf der vom DX belegten Frequenz geschieht!!
    Natürlich wäre es am besten, wenn sich niemand verpflichtet fühlte, Polizist zu sein, aber das scheint unrealistisch. Wichtig ist, dass diejenigen, die für Ordnung sorgen, dies effektiv tun. Ein gezielter Hinweis kann die Ordnung auf der Frequenz wiederherstellen. Beleidigende Kommentare (LID, IDIOT) bewirken das Gegenteil.
    Ein guter Polizist kann ein Segen sein – zwei gute Polizisten sind bereits zu viel …
    Beim SSB- oder RTTY-Betrieb gelten dieselben Regeln. Nenne ein Rufzeichenfragment (oder sogar das vollständige Rufzeichen), füge eine klare Anweisung (UP/DOWN) hinzu, und die Arbeitsfrequenz der Station, für die du dich interessierst, ist wieder frei.
    Mit der Zeit wirst du feststellen, dass die beste Reaktion auf das Verhalten der Polizisten darin besteht, verbal nicht zu reagieren. Versuche, negatives Verhalten in etwas Positives umzuwandeln. Und höre weiterhin zu – wieder dieses magische Wort … – was auf der Frequenz geschieht. In einem solchen Durcheinander kannst du paradoxerweise leichter eine Verbindung herstellen. Natürlich nur, wenn du empfangen kannst, was das DX an dich sendet, während die Polizisten in vollem Einsatz sind …
    Denke außerdem daran, dass jeder Polizist – sofern er nicht sein Rufzeichen nennt – illegal sendet
  • DX-Runden und das Rufen mit unvollständigen Rufzeichen
    Wie wir in Kapitel drei bereits gesagt haben  (korrekte Verwendung des Rufzeichens) ist immer das vollständige Rufzeichen zu verwenden, unabhängig von der Betriebsart. In vielen DX-Runden – meist auf den 15-, 20- und 40-Meter-Bändern – erstellt der Leiter eine Liste der Stationen, die mit der auf der Frequenz anwesenden DX-Station arbeiten möchten. Um Interessierte auf die Liste zu setzen, notiert der Leiter die letzten beiden Buchstaben des Rufzeichens. Das ist nicht korrekt. Leider haben viele Operatoren diese Gewohnheit auch außerhalb von DX-Runden beim Arbeiten mit DX-Stationen übernommen. Das Rufen mit Rufzeichenfragmenten verlangsamt den Arbeitsrhythmus des DX. Oft habe ich gehört – auch als Operator einer DX-Station auf der „anderen Seite“ –, wie jemand dreimal die letzten Buchstaben des Suffixes rief. Hätte er sein Rufzeichen einmal genannt, hätte die Verbindung fünf Sekunden gedauert; so dauert alles mehrmals länger.
    Beim CW- oder RTTY-Betrieb kommt dieses Phänomen deutlich seltener vor. Das absurdeste Beispiel, das mir in der Telegraphie begegnet ist, sah ungefähr so aus: Jemand rief mich mit „XYK XYK“. Das Signal war sehr stark, daher wollte ich ihn möglichst schnell loggen, um mit schwächeren Stationen arbeiten zu können. Ich antwortete „XYK 599“. Daraufhin hörte ich „Z88ZXY Z88ZXY 599 K“. Dieser freundliche Operator rief mich mit den letzten Buchstaben seines Suffixes und fügte das in der Telegraphie als Sendeaufforderung verwendete K hinzu. Dieses „K“ klebte an den beiden Suffixbuchstaben, als würden sie zusammen ein dreibuchstabiges Suffix bilden. Das war reine Zeitverschwendung!
    Noch eine Anmerkung zu DX-Runden. Viele Leiter helfen häufig beim Zustandekommen einer Verbindung. Das widerspricht dem Grundgedanken des Amateurfunks als Herstellung zweiseitiger Verbindungen. Versuche, QSOs ohne fremde Hilfe zu führen. Das wird dir sicher mehr Befriedigung geben.
  • Wie verwendet man das Fragezeichen und „QRZ“?
    Manche Operatoren haben die schlechte Angewohnheit, ihr eigenes Rufzeichen nur selten zu nennen. Das führt zu Problemen. DX-Männer hören die Bänder ab und entdecken eine Station, die ihr Rufzeichen nicht nennt. Nehmen wir an, derjenige, der diese Station entdeckt hat, hat keinen Zugang zum DX Cluster. Nach einiger Zeit beginnen die Zuhörer, nach diesem Rufzeichen zu fragen, indem sie auf CW „QRZ“, „CALL?“ oder „?“ beziehungsweise auf SSB „What is your call?“ senden. Besonders ärgerlich ist, dass manche Operatoren dies tun, obwohl die gewünschte Station im Split arbeitet. Daher besteht keine Chance, dass sie die Frage hört. Stattdessen hören sie alle Stationen, die eine Verbindung mit dem DX herstellen wollen, und zwar anstelle des DX. Das Ergebnis: Polizisten tauchen auf, kurz darauf herrscht Chaos auf der Frequenz. Um das zu vermeiden, befolge Regel Nummer eins: HÖRE ZU! Stelle nicht all diese Fragen. Das beschleunigt nichts. Und denke daran: „QRZ“ bedeutet „Wer ruft mich?“ und ist in diesem Fall nicht anwendbar – schließlich rufst du selbst.
  • Wie arbeitet man mit Contest-Stationen?
    Bevor du an einem Contest teilnimmst und eine darin arbeitende Station rufst, lies die Contestregeln aufmerksam durch. Bei manchen Contests kannst du aufgrund der Regeln nicht mit allen Stationen arbeiten. Vermeide es, eine Station zu rufen, die in diesem oder jenem Contest nicht mit dir arbeiten will oder schlicht nicht mit dir arbeiten kann. Die Contestsoftware kann das Loggen eines solchen QSOs sogar verhindern.
    Denke an einige allgemeine Regeln für den Contestbetrieb:
    Jede Station möchte möglichst viele Verbindungen so schnell wie möglich herstellen. Führe daher kurze QSOs. Rufe nie mehr als einmal mit deinem Rufzeichen. Wenn der Operator der Contest-Station dein Rufzeichen korrekt aufgenommen hat, nenne es nicht erneut, sondern sende nur den entsprechenden Rapport. Wenn die Contest-Station jemand anderen antwortet, sende nicht!
  • DX Cluster
    Ein kontroverses Thema. Die Mehrheit liebt Cluster, aber es gibt auch Menschen, die sie nicht mögen. Für mich ist erschreckend, wie viele falsche Informationen (Spots) in Clustern erscheinen. Wenn du Informationen über eine DX-Station meldest, prüfe vor dem Drücken der Eingabetaste noch einmal alles sorgfältig und korrigiere sämtliche Fehler.
    Cluster haben auch eine Ankündigungsfunktion (announce). Viele Operatoren missbrauchen sie, um ihren Frust und Ärger abzuladen oder nach QSL-Informationen zu fragen. Hier einige Beispiele für das Verhalten von Clusterbenutzern während der jüngsten Expedition 3Y0X (Ähnliches lässt sich bei vielen anderen Gelegenheiten beobachten):
    „Ich rufe seit drei Stunden und nichts“
    „Ich habe fünf Stunden zugehört und kein Signal gefunden – eine hoffnungslose Expedition“
    „Schlechte Operatoren, sie haben keine Ahnung von Ausbreitungsbedingungen“
    „Warum arbeiten sie nicht SPLIT?“
    „RTTY bitte“
    „BINGOOOOOOO“
    „Ich habe ein neues Land!“
    „Mein 276. DXCC!“
    „Bitteeeee arbeitet mit Europa!“
    Das alles ist unsinnig, bringt nichts und leistet keinen positiven Beitrag. Der DX Cluster ist ein Werkzeug, um über aktive DX-Stationen zu informieren. Nicht mehr. Das Kommentarfeld kann dazu verwendet werden, mitzuteilen, welchen Split die Station verwendet, wie eine QSL-Karte zu senden ist usw. Ein Cluster dient den Spots. Wenn es darüber hinaus zusätzliche Informationen gibt, sollten sie für andere DX-Männer nützlich sein.
    Suchst du QSL-Informationen? Gib „SH/QSL<Rufzeichen>“ ein. Wenn der von dir verwendete Cluster keine Suchfunktion für QSL-Informationen besitzt, gib „SH/DX<Rufzeichen>“ ein. Es werden 25 Spots mit Informationen zu dem Rufzeichen angezeigt, für das du dich interessierst. Darunter befinden sich sicher auch solche mit Angaben zur Bestätigung. Noch schneller findest du sie mit dem Befehl „SH/DX<Rufzeichen> QSL INFO“. In den Ergebnissen erscheinen die letzten zehn Spots mit dem Rufzeichen der gewünschten Station, die QSL INFO enthalten. Wenn du im Cluster nichts findest, suche auf Websites.
    Wenn es dich ärgert, etwas nicht zu wissen, verkünde es nicht anderen. Wenn du niemanden erreichen kannst, verbessere lieber deine Station und deine Betriebstechnik, statt deinen Frust nach außen zu tragen. Spots mit Informationen wie „beim ersten Versuch geschafft“ oder „mit 5 W erreicht“ sagen in Wirklichkeit weder etwas über das Signal des DX noch über die Ausbreitungsbedingungen aus. Sie informieren lediglich über den Zustand des Egos ihres Verfassers. Häufig sieht man in Clustern auch Operatoren, die sie für zweiseitige Gespräche verwenden. Denke daran: Ein Cluster ist kein Chat.
    Melde keine Piratenstation im Cluster – sie ist keiner Aufmerksamkeit wert. Wenn du andererseits Informationen über eine solche Station wie unseren Freund Pipo aus Sizilien meldest, was wird deiner Meinung nach geschehen? Richtig – auch ihn solltest du nicht im Cluster melden. Zusammenfassend: Es ist wichtig, korrekte Informationen zu melden. Überschütte andere Kollegen nicht mit deinen Emotionen, Frustrationen usw. In Wirklichkeit interessiert sich niemand für den Zustand deines Egos.
    Informationen zu Frequenz, Split und QSL sind dagegen für alle nützlich. Nutze den Cluster daher korrekt. Wenn du nicht weißt, wie das geht, suche die Anleitung (gib „SH/HELP“ ein) und lies sie aufmerksam. Und denke daran, dass deine Spots  von der gesamten Amateurfunkgemeinschaft gelesen werden. Es ist sehr leicht, seinen Ruf zu ruinieren. Interessanterweise ist es ebenso leicht, sich einen guten Ruf zu erarbeiten.  Schau bei Gelegenheit auf der Website über „Cluster-Affen“ vorbei  (http://www.kh2d.net/dxmonkey.cfm) – die Botschaft ist eindeutig!
  • Hinweise für Betreiber von DX-Stationen und DX-Expeditionen
    Du magst Familienurlaub mit Funkgerät? Oder arbeitest du im Ausland und hast in deiner Freizeit die Möglichkeit, auf den Bändern aktiv zu sein? Oder – nach Ansicht deiner XYL – bist du völlig durchgedreht und willst dein Geld für eine DX-Expedition ausgeben? Nehmen wir an, du möchtest aus einem auf den Bändern gesuchten Land senden. Je gesuchter es ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du mit den oben erwähnten Situationen konfrontiert wirst (Polizisten, niemand hört auf deine Anweisungen usw.). Das Wichtigste ist, dass DU die Situation kontrollierst.
    Wenn du in Spanien oder Frankreich Urlaub machst, wirst du auf der Frequenz wahrscheinlich keine Menge rufender Stationen haben. Wenn du nach Zypern, Kreta oder auf die Balearen reist, wirst du mit Sicherheit einige Rufende haben. Deine Arbeit verschlägt dich in den Iran, und du hattest das Glück, dort eine Lizenz zu bekommen? Dann setz dich bequem hin, denn du wirst gleich kräftig ins Schwitzen kommen!
    Solltest du dagegen eine Reise zum Scarborough Reef organisieren und dort eine Station in Betrieb nehmen können, wird der Pileup unglaublich sein! Schnall dich besser an!
    Wie kann man die Menge rufender Stationen „bändigen“ und die Kontrolle behalten? Das ist keine einfache Aufgabe. Hier einige Ratschläge. Nenne dein Rufzeichen nach jedem QSO. Wenn du das Pech hast, ein langes Rufzeichen wie SV9/ON4ZZZZ/P zu haben, nenne es mindestens einmal in drei QSOs. Wenn du im Simplexbetrieb arbeitest und feststellst, dass du kein vollständiges Rufzeichen aufnehmen kannst oder die Stationen, denen du antwortest, schweigen, wechsle in den Splitbetrieb. Vergewissere dich zuvor, dass die Frequenz, auf der du hören wirst, frei ist. Wenn du im Split arbeitest, erinnere nach jedem QSO daran. Gib an, welchen Split du verwendest. Auf CW kann das beispielsweise 1, 2 oder 5 kHz nach oben sein, auf SSB 5 kHz oder 5 bis 10 kHz. Verwende bei SSB keinen Split von weniger als 5 kHz. Du wirst überrascht sein, wie breit manche Stationen auf SSB arbeiten. Wenn du bei SSB einen Split von 2–3 kHz verwendest, können diese Signale die Frequenz, auf der du sendest, vollständig stören.
    Versuche, den Bereich, in dem du hörst, möglichst schmal zu halten. Nimm nicht unnötig viel Frequenzraum in Anspruch.
    Wenn du auf SSB ein Fragment des Rufzeichens einer dich rufenden Station aufnehmen kannst – was im Pileup häufig vorkommt –, gib den Rapport und das Aufgenommene durch. Zum Beispiel „Yankee Oscar 59“. Sende auf CW keine Fragezeichen anstelle nicht aufgenommener Buchstaben des Rufzeichens. Aus unerklärlichen Gründen verstehen die meisten Operatoren im Pileup diese Fragezeichen als Aufforderung zum Senden. Und das, obwohl das von dir gesendete Rufzeichenfragment keinerlei Ähnlichkeit mit ihrem eigenen hat. Beispiel: 3TA 599 und nicht ??3TA 599. Im zweiten Fall wird dich die Menge zu rufen beginnen. Unabhängig von der Betriebsart ist es äußerst wichtig, das vollständige Rufzeichen der Station zu senden, der du zuvor unter Verwendung des aufgenommenen Rufzeichenfragments einen Rapport gegeben hast. Richte deine Anstrengung zunächst darauf, das vollständige Rufzeichen aufzunehmen, und sende es anschließend, damit der Operator sicher weiß, dass du es korrekt aufgenommen hast. Dieses Verhalten beeinflusst auch den Pileup. Wenn die Operatoren sehen, dass du konsequent auf den Abschluss einer Verbindung hinarbeitest, werden sie disziplinierter sein. Wenn du die Sache hingegen „aufgibst“ und dich einer anderen Station zuwendest, hast du bereits verloren. Dann herrscht Chaos auf der Frequenz, weil jeder deine Aufmerksamkeit auf sich lenken will.
    Arbeite nicht mit Stationen, die nur zwei Buchstaben des Rufzeichens nennen. Sage deutlich, dass du vollständige Rufzeichen hören möchtest. Wenn du im SPLIT feststellst, dass die Stationen, denen du antwortest, nicht reagieren, höre auf deiner Sendefrequenz. Vielleicht übertönt dich ein Polizist vollständig. Auf den höheren Bändern beträgt die maximale CW-Geschwindigkeit 40 Gruppen. Auf den niedrigeren Bändern (160–40 m) sende je nach Bedingungen mit 20–30 Gruppen.
    Informiere den Pileup immer über deine Aktivitäten. Wenn du QRT machst, sage es ihnen. Du möchtest eine kurze Pause? Sage QRX 5. Du wechselst Band, Betriebsart oder Frequenz? Sage es ihnen. Das ist  für Operatoren, die eine Verbindung mit dir herstellen möchten, sehr ärgerlich, wenn sie nicht wissen, was du vorhast.  Wenn du trotz allem mit der Menge rufender und undisziplinierter Stationen nicht zurechtkommst, mache QRT und wechsle die Frequenz oder das Band. Lass jedoch niemals zu, dass auf dem Band deine Nerven mit dir durchgehen. Schreie niemanden an.
    Wenn der Pileup so groß wird, dass ein Arbeiten unmöglich ist, kannst du versuchen, nach Regionen, Kontinenten oder anhand der Ziffern in den Rufzeichen zu arbeiten. Beim Wechsel nach Regionen rufst du Kontinente (z. B. Europa) oder Regionen (Westküste der USA). Währenddessen warten die Operatoren aus anderen Teilen der Welt, bis sie an der Reihe sind. Das Arbeiten nach Ziffern bedeutet, dass du Stationen mit aufeinanderfolgenden Ziffern im Rufzeichen zum Rufen aufforderst (0–9). Der Vorteil der Arbeit nach Regionen besteht darin, dass du Kontinenten mit deutlich schlechteren Ausbreitungsbedingungen in deine Richtung als andere, begünstigte Kontinente eine Chance gibst.
    Einige Dinge, an die du beim Arbeiten nach Regionen denken solltest:
    Wenn du diese Methode verwendest, weil der Pileup zu groß ist, wechsle die Arbeitsrichtung relativ häufig. Informiere möglichst über deine Pläne, zum Beispiel indem du ankündigst, dass du als Nächstes Japan rufen wirst. Arbeite etwa zehn Minuten mit einem Kontinent. Wenn du den Pileup etwas abgebaut hast, kehre zum normalen Betrieb zurück. Diese Arbeitsweise wird nicht empfohlen. Die große Mehrheit der Operatoren hat die meiste Zeit nichts zu tun und wartet nervös, bis sie an der Reihe ist. Außerdem haben sie während des Wartens keine Garantie, dass du ihre Region oder Nummer rufen wirst.
    Sie befürchten Änderungen der Ausbreitungsbedingungen oder dass du jederzeit QRT machen könntest. Diese nervösen Operatoren sind potenzielle Polizisten. Denke daran: Wenn du nach Nummern arbeitest, warten 90 % derjenigen, die eine Verbindung mit dir herstellen möchten, untätig! Trotz der genannten Nachteile sind diese Methoden manchmal notwendig, um den Pileup zu beherrschen, insbesondere für Operatoren, die noch viel lernen müssen.
    Wenn du nach Nummern arbeitest, beachte Folgendes: Wenn du einmal damit begonnen hast, arbeite das System bis zum Ende durch. Manchmal machen Operatoren, die auf diese Weise arbeiten, in der Mitte QRT oder geben die Idee des Arbeitens nach Nummern auf. Sei dir bewusst, dass du dir mit solchen „Nummern“ nicht die Sympathie des Pileups sicherst. Bleib konsequent – beginne bei null und arbeite systematisch über 1, 2, 3 … bis 9. Springe niemals zwischen den Nummern – der Pileup wird dich hassen! Führe mit einer bestimmten Nummer zehn QSOs, nicht mehr. Achte darauf, keine Nummer zu bevorzugen. Informiere möglichst darüber, mit wie vielen Stationen einer bestimmten Nummer du QSOs geführt hast, bevor du die nächste Nummer aufrufst. Und denke daran: 90 % der Operatoren sitzen untätig herum. Das sind potenzielle Polizisten, die auf deiner Frequenz senden. Vermeide dieses System, wann immer du kannst.
    Manchmal versuchen manche Operatoren zusätzlich zu den genannten Methoden, nach Ländern zu arbeiten. Das sollte man immer vermeiden. Ich wiederhole: Arbeite nicht auf diese Weise, denn du riskierst, Massen von Polizisten aus Ländern auf dich aufmerksam zu machen, die auf ihren Zug warten. Außerdem kannst du unmöglich allen DXCC-Gebieten eine Chance geben.
    Und noch eine abschließende Bemerkung: Entscheidend ist in Wirklichkeit, dass du einen gleichmäßigen Arbeitsrhythmus beibehältst. Wenn du diesen Aspekt optimierst, wirst du weniger müde und führst mehr Verbindungen. Und das ganze Spiel wird dir mehr Freude bereiten.
  • Weitere Hinweise
    Brummgeräusche auf deinem CW-Ton während des Sendens  können für Zuhörer störend sein. Wenn dein Sender „Müll“ produziert, repariere ihn. Tu es selbst – sei ein Funkamateur! Die anderen Funkamateure werden dir dankbar sein. Dasselbe gilt für übersteuerte SSB-Signale. Vergewissere dich, dass dein Signal sauber ist.
    Der Q-Code und der Zahlencode (73/88) wurden entwickelt, um bestimmte Standardformulierungen per Telegraphie schneller senden und empfangen zu können. Eigentlich sollte man sie nicht im Sprechfunk verwenden. Warum „73“ sagen, wenn du „Grüße“ (oder „regards“) sagen kannst? Bemühe dich um Maß und übertreibe es im Sprechfunk nicht mit den Codes.
    Wenn eine DX-Station in der Telegraphie so schnell sendet, dass du sie nicht aufnehmen kannst, du aber unbedingt eine Verbindung herstellen möchtest, verwende eine Decodiersoftware. Andernfalls verschwendest du viel wertvolle Zeit für eine einzige Verbindung. Denke daran: Auch andere möchten eine Verbindung herstellen, und für alle zählt die Zeit.
    „QSO NOT IN LOG“ – wenn deine Karten häufig mit diesem Vermerk zurückkommen, ist das ein Zeichen dafür, dass es Zeit ist, deine Betriebstechnik zu verbessern. Höre zu – das ist die wichtigste Voraussetzung! Wenn du die Station nicht hörst, warum rufst du sie dann? Lies diese Ausarbeitung und halte dich daran, dann wirst du deine Ergebnisse verbessern. Willst du wetten, dass du bald nicht mehr regelmäßig Rücksendungen mit dem Vermerk „NOT IN LOG“ erhältst?
    Wenn wir schon bei QSL-Karten sind: Ein altes Sprichwort sagt: „Die Krönung eines QSOs ist die QSL-Karte.“ Natürlich haben die meisten Operatoren nichts dagegen, wenn deine Karte sie erreicht. Manche gehen jedoch anders damit um. Für mich persönlich ist es wichtig, auf alle Karten zu antworten, die ich erhalte, sei es über das Büro oder direkt. Unabhängig davon, ob ich sie für QSOs oder Empfangsberichte erhalte. In Belgien befinden wir uns insofern in einer günstigen Lage, als die Betreuung durch das QSL-Büro im Mitgliedsbeitrag unserer nationalen Amateurfunkorganisation UBA enthalten ist. Für uns ist die Nutzung des QSL-Büros die günstigste Möglichkeit, Karten in die ganze Welt zu versenden. Doch nicht alle haben dieses Glück. In verschiedenen Ländern arbeiten QSL-Büros nach unterschiedlichen Regeln, und manche sind keineswegs billig. Denke daran, wenn du deine Karte verschickst. Prüfe, ob das Land, in das du die Karte sendest, ein funktionierendes Büro hat. Wenn nicht, denke über einen direkten Versand mit SAE (selbstadressiertem Rückumschlag) und ausreichenden Mitteln für das Porto nach (z. B. einem IRC-Gutschein).
    Es ist auch möglich, Verbindungen elektronisch zu bestätigen, beispielsweise über Logbook of the World von ARRL.
    Dafür werden keine Papierkarten benötigt, obwohl sie mir nach wie vor Freude machen!
    Einige DX-Stationen nutzen die Hilfe von QSL-Managern. Ihre Operatoren beauftragen aus verschiedenen Gründen andere Personen mit der Bearbeitung der Karten. Ihre Kontaktdaten findest du im Internet, etwa auf www.qrz.com – einer Website, die oft schon während einer Verbindung als QSL INFO genannt wird.
    Ein Wort zu den nationalen Amateurfunkorganisationen. Während des Zweiten Weltkriegs verloren Funkamateure ihre Lizenzen und Geräte. Welche Organisationen haben deiner Meinung nach bei den Behörden um die Wiederherstellung dieses Funkdienstes gebeten? Richtig, es waren die nationalen Organisationen – die Mitglieder der IARU. Sie waren unsere Stimme im Austausch mit den Behörden, und es wäre gut, wenn sie weiterhin eine so starke Stimme hätten. Gemeinsam sind wir stärker. Wenn du deiner Organisation nicht angehörst, überlege, ob du nicht beitreten könntest.
    Diejenigen unter euch, die über das teure QSL-Büro in ihrem Land klagen, könnten ihre Organisation vielleicht fragen, warum ein günstiges Büro in Belgien möglich ist, bei ihnen aber nicht. Engagiert euch. Könntet ihr eure Organisation unterstützen? Denkt daran, dass sie eure gemeinsame Stimme im Austausch mit den Behörden ist. Und die Stärke dieser Stimme hängt von euch ab.
    Im Internet gibt es viele Informationsquellen über die Aktivität von DX-Stationen. Eine vollständige Liste wäre sehr lang, daher seien nur einige genannt: das 425-DX-Bulletin, das Ohio-Penn-DX-Bulletin und die Propagationsbulletins der ARRL. Für weitere Quellen verweise ich auf Suchmaschinen. Mache dich außerdem gründlich mit dem IARU-Bandplan für deine Region und den örtlichen Vorschriften der nationalen Behörden vertraut – in Polen beispielsweise mit der Nationalen Frequenzzuweisungstabelle. Am besten druckst du sie aus und hängst sie an einer gut sichtbaren Stelle auf.
    IZ9XXX und Pipo sind leicht veränderte Daten eines der sizilianischen Hams.
    Zum Schluss haben wir uns alle ein wenig zum Lachen verdient. Schau auf die Seite DL4TT und lies seine treffenden Bemerkungen im Artikel „Dog X-ray“ auf der Seite http://www.qsl.net/dl4tt/DawgX-rayClub.html
  • Zusammenfassung
    Alles begann sehr bescheiden: mit der Freude, wenn es gelang, eine Verbindung mit einer Expedition herzustellen. Mit einer Station geringer Leistung konnte ich mehr als 300 DXCC-Gebiete arbeiten. Daran war kein besonderes Geheimnis, sondern nur der starke Wunsch, ein neues Land zu arbeiten. Das bedeutete, Papiermagazine für DX-Männer zu durchforsten und den lokalen DX-Kanal auf dem 2-Meter-Band abzuhören. Dort tauschten ältere DX-Männer Informationen aus, und durch das Zuhören bei ihren Gesprächen konnte ich erfahren, was sie mit ihren hervorragenden Antennen Neues hörten. Es gab auch viele schlaflose Nächte und stundenlanges Rufen – manchmal erfolglos –, um dieses eine QSO zu schaffen. Manchmal nahm man Urlaub, um ein neues Land zu arbeiten. Und eigentlich sieht es immer noch bescheiden aus. Wenn andere DX-Männer mich besuchen, fragen sie immer: „Junge, ist das wirklich alles, was du hast? Und damit arbeitest du all diese DX?“
    Tatsächlich kann der Wunsch, ein neues DXCC-Gebiet zu arbeiten, so stark sein, dass er Menschen dazu bringt, Antennensysteme aufzubauen, die Station auszubauen usw. Es geht jedoch nicht darum, eine Megastation aufzubauen. In Wirklichkeit führt dich die Betriebspraxis zum Erfolg. Manchmal möchte ich hingehen und allen, die sich im Cluster beklagen, zeigen, wie man ein QSO führt, statt Zeit damit zu verschwenden, ihren Frust abzuladen.
    Ich wünsche euch allen viel Erfolg beim Arbeiten neuer Länder. Ich hoffe, dass diese wenigen Ratschläge zumindest ein wenig zur Verbesserung der Betriebspraxis beitragen. Wenn es euch nicht gelingt, durch den Pileup zu kommen, könnt ihr mich jederzeit anrufen. Ein gutes Bier für ein von eurer Station gearbeitetes neues Land – mehr braucht es nicht …
    Und denkt daran: Niemand ist unfehlbar. Sicher wirst du den Autor dieses Artikels eines Tages auf dem Band bei einem Fehler ertappen. Wenn das geschieht, lächle und verhalte dich besser als er.
    Ich bin überzeugt, dass ihr auf den Bändern viele Erfolge erzielen werdet. Ich danke allen Freunden, die an diesem Projekt beteiligt waren.
ON4WW – Mark
(April 2006)